Sammlung
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Unser KB Kosmos – ein Prototyp für die noch zu schaffende Sammlung online. Entstanden anlässlich der Ausstellung
Träume einer Eule, Who the Bær und der verwundete Planet
Die Kunsthalle Bielefeld ist ein Museum zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Der seit Anfang des 20. Jahrhunderts gewachsene Sammlungsbestand umfasst etwa 500 Gemälde, 300 Skulpturen/Plastiken und rund 4.500 Arbeiten auf Papier. Schwerpunkte liegen auf dem deutschen und westfälischen Expressionismus, Werken der konstruktivistischen Strömung und des Bauhauses der 1920er- und 1930er-Jahre, einem Konvolut von Sonia und Robert Delaunay, US-amerikanischer und deutscher Kunst der 1970er- und 1980er-Jahre sowie ausgewählten jungen zeitgenössischen Positionen. Auch die 17 Werke im Skulpturenpark, u. a. von Otto Freundlich, Olafur Eliasson, Henry Moore oder Bettina Pousttchi, gehören zum Bestand. Mit dem auf westliche Kunst und transatlantische Beziehungen zwischen Europa und den USA ausgerichteten Fokus ist die Sammlung ein typisches Beispiel westdeutscher Sammlungsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute wird die Sammlung kontinuierlich erweitert, wobei gezielt Lücken geschlossen und unterrepräsentierte Perspektiven, insbesondere von Künstlerinnen (bisher etwa 5% des Gesamtbestands), berücksichtigt werden.
Sammlungsgeschichte
Die Kunsthalle Bielefeld blickt heute auf fast hundert Jahre Sammlungsgeschichte zurück.
Etwa dort, wo heute die Kunsthalle Bielefeld steht, befindet sich Anfang des 20. Jahrhunderts das Städtische Museum Bielefelds. Es ist in der Villa der Familie Kaselowsky inmitten der „Kaselowsky’schen Gärten“ untergebracht. 1921 wird beschlossen, in einem Raum des Museums Kunstausstellungen zu veranstalten. Eine fünfköpfige „Pflegschaft der ständigen Kunstausstellungen im Städtischen Museum“ wird gegründet. Verantwortlich für das Programm ist dabei vor allem der 1908 aus Braunschweig nach Bielefeld gekommene Lehrer Dr. Heinrich Becker (1881–1972). Mit außerordentlichem ehrenamtlichem Engagement führt er zahlreiche Ausstellungen durch und regt schließlich an, Bielefeld ein eigenes städtisches Kunsthaus zu geben.
1928 wird das Städtische Kunsthaus (im ehemaligen Haus des Kommerzienrats Tiemann in der damaligen Hindenburgstraße, heute Alfred-Bozi-Straße) eröffnet. Dr. Heinrich Becker wird ehrenamtlicher Leiter. Er trägt erstmals den städtischen Besitz (der sich auch im Rathaus, in Ämtern, im Stadttheater etc. befindet) in einem Inventarbuch zusammen und beginnt, diesen durch erste Erwerbungen zu ergänzen.
In der Anfangszeit werden Erwerbungen vor allem aus Ausstellungen heraus getätigt, aber auch über den Kunstsalon Otto Fischer, die einzige Galerie für moderne Kunst in Bielefeld. Beckers Interesse gilt der frühen Moderne (Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Emil Nolde etc.) sowie der regionalen westfälischen modernen Kunst. Sein Einsatz für die Moderne führt am 31.3.1933 zu seiner Absetzung durch das nationalsozialistische Regime.
Beckers Nachfolger ist ab April 1933 zunächst der an der Bielefelder Kunstgewerbeschule tätige Professor Arnold Rickert (1889–1974). Ihm folgt im Juni 1934 der in Berlin lebende Bildhauer Professor Georg Hengstenberg (1879–1959) als neuer Kustos nach. Seine Arbeit als städtischer Kustos endet im Januar 1944, als das Kunsthaus während eines Bombenangriffs zerstört wird.
Der Schwerpunkt in dieser Zeit liegt auf der Förderung parteikonformer Kunst, vor allem von in der Region lebenden Künstler*innen. Die junge moderne Kunstsammlung des städtischen Kunsthauses hingegen wird jäh beschnitten: Im August 1937 werden über 200 Objekte als „entartet“ beschlagnahmt. Erst Jahrzehnte nach dem Ende der NS-Diktatur können von diesen Werken zwei Gemälde (Christian Rohlfs, Der Sämann; Emil Nolde, Rentner) sowie grafische Blätter (Käthe Kollwitz, Heimarbeit; Emil Nolde, Christus und die Sünderin) dank zahlreicher Förderer – u. a. dem 1982 aus diesem Anlass eigens gegründeten Förderkreis Kunsthalle Bielefeld e. V. – für die Kunsthalle Bielefeld zurückerworben werden.
Im Juni 1945 wird Dr. Heinrich Becker wieder als Leiter der städtischen Kunstsammlung eingesetzt. Das Städtische Kunsthaus ist durch den Bombenangriff 1944 komplett zerstört, doch konnte der Bielefelder Eigenbesitz durch Auslagerungen überwiegend gerettet werden. Der im Kunsthaus verbliebene Sammlungsschrank mit Papierarbeiten überstand den Angriff. Nach provisorischen Ausstellungsaktivitäten in den ersten fünf Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der Rudolf-Oetker-Halle (Konzerthaus) erhält das Kunsthaus 1950 das Erd- und Kellergeschoss des Historischen Museums im Velhagenhaus in der Wertherstraße 3 für die zukünftige Nutzung.
In der Nachkriegszeit sucht Becker an die Zeit vor dem Nationalsozialismus anzuknüpfen und Verluste auszugleichen. Es erfolgen viele Ankäufe von lokalen Künstler*innen, auch mit Unterstützung von Bürger*innen.
1954 scheidet Dr. Heinrich Becker aus dem Amt. Ihm folgt Dr. Gustav Vriesen (1912–1960) als erster festangestellter Leiter des Städtischen Kunsthauses nach. Der Verfasser des ersten Werkverzeichnisses zu August Macke erwirbt nicht nur Werke von während des Nationalsozialismus verfemten deutschen Künstler*innen wie Max Beckmann oder Willi Baumeister, er tätigt auch erste internationale Erwerbungen für die Kunstsammlung, z. B. von Robert und Sonia Delaunay. Darüber hinaus setzt sich Vriesen besonders für das expressionistische Werk des aus Bielefeld stammenden Hermann Stenner ein, das er im Nachlass der Familie in Bielefeld als einen „verschollenen Wert“ (Vriesen) entdeckt. 1959 erfolgen erste Überlegungen zum Bau einer Kunsthalle. Nach dem plötzlichen Tod von Gustav Vriesen 1960 leitet sein Mitarbeiter Eberhard Pinder (1913–1965) interimsmäßig das Haus. Weitere bedeutende Ankäufe der Klassischen Moderne, u. a. von August Macke, Otto Mueller, Emil Nolde und Oskar Schlemmer, werden realisiert.
1962 tritt Dr. Joachim Wolfgang von Moltke (1909–2002) das Amt des Direktors an. Ein Schwerpunkt seiner Ankaufstätigkeit liegt auf der Erweiterung des Sammlungsbereichs zum deutschen Expressionismus, z. B. ergänzt er den Bestand an Brücke-Künstlern um bedeutende Werke von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff. Doch finden auch Einzelwerke anderer Kunstrichtungen, z. B. ein kubistisches Werk von Marsden Hartley oder Werke aus der Bauhauszeit von Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy Eingang in die Sammlung. Aufgrund von Moltkes‘ Verbindungen nach Südafrika gelangen zudem zwei Gemälde und zwei Arbeiten auf Papier der südafrikanischen Expressionistin Irma Stern ins Haus – die bis heute einzigen Werke dieser Künstlerin in einer deutsche Museumssammlung.
Bereits kurz nach von Moltkes Dienstantritt nehmen die Planungen für einen neuen Museumsbau Fahrt auf, der maßgeblich von Rudolf-August Oetker unterstützt und finanziert wird. Am 27. September 1968 wird das heutige Gebäude der Kunsthalle Bielefeld, erbaut von dem US-amerikanischen Architekten Philip Johnson, eröffnet. Die Kunstsammlung hat damit nach Jahrzehnten erstmals einen eigenen Museumsbau zur Aufbewahrung und zur Präsentation der Bestände. Vor dem Eingang der Kunsthalle kommt die Bronze „Der Denker“ von Auguste Rodin zur Aufstellung.
Unter Dr. Ulrich Weisner (1936–1994), der 1974 auf von Moltke nachfolgt, verlagert sich der Schwerpunkt der Ankäufe auf zeitgenössische Werke deutscher und US-amerikanischer Künstler*innen. Bedeutende Arbeiten von den deutschen „Malerheroen“ Georg Baselitz, Anselm Kiefer, A. R. Penck und Gerhard Richter kommen in die Sammlung, aber auch Werke der US-amerikanischen Minimal Art und Postminimal Art, z. B. von Ellsworth Kelly, Agnes Martin, Frank Stella. Erste Arbeiten für den Skulpturenpark werden erworben, von Henry Moore, David Rabinowitch, George Rickey, Ulrich Rückriem, Richard Serra und Giuseppe Spagnulo.
Unter Dr. Thomas Kellein (1955–2025), der der Kunsthalle Bielefeld von 1996 bis 2010 vorsteht, wird die städtische Kunsthalle Bielefeld im Jahr 1999 in eine gGmbH umgewandelt. Neben wichtigen malerischen und skulpturalen Einzelpositionen zur Gegenwartskunst finden erste Fotografien, Filme und Installationen Eingang in die Sammlung, z. B. von Hiroshi Sugimoto, Yoko Ono oder Fischli/Weiss.
Von 2011 an stärkt Dr. Friedrich Meschede (*1955) die bestehenden Sammlungsbereiche nachhaltig durch prägnante Ankäufe und bedeutsame Zuwendungen von privater Seite. Der US-amerikanische Schwerpunkt wird z. B. um Arbeiten von Dan Flavin, Sheila Hicks oder Tony Smith ergänzt. Auch entsprechende deutsche Positionen der 1960er- bis 1980er-Jahre treten hinzu. So ist die Kunsthalle Bielefeld seit 2017 im Besitz der gesamten Multiples von Ulrich Rückriem. Zugleich werden mit Gemälden von Julius Bissier oder Paula Modersohn-Becker Lücken im Bereich der deutschen Klassischen Moderne geschlossen. Schließlich führen sammlungsbezogene Gegenwartspositionen wie ein Gemälde von Michel Majerus oder Skulpturen von jungen zeitgenössischen Künstler*innen, z. B. von Esther Kläs oder Johannes Wald, die Sammlung bis ins Heute fort
Mit der postkolonialen Kunstgeschichte kommt es zu einer Revision des historisch gewachsenen, westlich und männlich dominierten Kanons. Neuerwerbungen sollen den Blick auf historisch lange Ausgeblendetes öffnen. Seit der Amtszeit von Direktorin Christina Végh im Jahr 2020 sind z. B. Ankäufe und Schenkungen von namhaften Künstlerinnen der 1960er- bis 1980er Jahre erfolgt, wie etwa von Christa Dichgans, die im Zuge der deutschen Pop Art lange übersehen wurde, von Teresa Burga, einer zentralen Künstlerin Südamerikas, deren Werk in der Pop Art wurzelt und sich zu konzeptuellen Ansätzen entwickelte, von Mary Bauermeister, die im Kölner Umfeld der 1960er/70er-Jahre im Umfeld von Fluxus eine zentrale Figur war, oder aber von Lifang, die im Umfeld des Informel in Taiwan, später in Paris und in der Schweiz asiatische wie westliche Kunsttraditionen miteinander verband. Werke zeitgenössischer Künstlerinnen, oftmals mit feministischen Ansätzen, u. a. von Yto Barrada, Katinka Bock, Monica Bonvicini, Shannon Bool, Rita McBride, Keren Cytter, Nicole Eisenman, Annette Kelm, Rune Mields, Ulrike Rosenbach sind in die Sammlung eingegangen. Mit Arbeiten von Kurt Kranz, Nam June Paik, aber auch James Welling, Oscar Tuazon oder Philipp Timischl sind Lücken ergänzt oder eine besondere Auseinandersetzung mit der Architektur des Hauses angeregt.
In dem von dem US-amerikanischen Architekten Philip Johnson errichteten Kunsthallengebäude ist die Sammlung der Kern des Museums. Ohne festen Raum für eine dauerhafte Hängung ist sie heute zugleich dessen aktiver und beweglicher Akteur. Aktuell konzipieren wir zu jeder Wechselausstellung eine Sammlungspräsentation, die dialogisch zu dieser hinzutritt. Hierdurch wird die Sammlung jedes Mal in ein anderes Licht gerückt, es ergeben sich kontinuierlich neue Aspekte, die den gewachsenen Bestand über aktuelle Fragestellungen an die Gegenwart binden. Dabei verfolgt die Kunsthalle Bielefeld einen transhistorischen Ansatz, der stets mit der Frage verbunden ist, in welcher Beziehung die Werke aus der Sammlung mit unserer aktuellen Lebensrealität stehen. Unsere Kunstwerke verstehen wir als wichtigen Teil unseres bildnerischen und kulturellen Gedächtnisses, deren Werte und Anliegen wir, gerade angesichts der großen globalen und ökologischen Veränderungen, stets neu diskutieren und befragen. Auguste Rodins Bronzeplastik „Der Denker“ (1902/1968) neben dem Eingang der Kunsthalle ist somit zugleich als identitätsstiftende Inkunabel unseres Hauses zu verstehen.
Förder*innen
Die Erweiterung der Sammlung ist nur möglich dank zahlreicher engagierter Unterstützer*innen und fördernder Instanzen. Seit 2020 verfügt die Kunsthalle wieder über einen Ankaufsetat durch die Stadt Bielefeld. Auch der Förderkreis der Kunsthalle Bielefeld ist an erster Stelle der Sammlung und den Ankäufen verpflichtet. Neben vereinzelten Förderungen durch das Land NRW oder anderen Stiftungen sind Schenkungen durch Mäzen*innen oder Künstler*innen unverzichtbar.
Stenner-Archiv
Seit März 2022 richtet die Kunsthalle Bielefeld das Hermann Stenner-Archiv ein, das sich als Forschungseinrichtung und Dokumentensammlung dem in Bielefeld geborenen Künstler Hermann Stenner (1891-1914) widmet.
Gallerie









