Wer macht mit?

Das Projektteam stellt sich vor

Eine weiße Frau in weißem Top und blauem Blazer darüber. Sie lächelt, hat blonde lange Haare und einen Pony über die gesamte Stirn.
Nadine Kleinken, Forschungsvolontärin, Foto: Veit Mette

Ich selbst bin immer gerne in Museen gegangen, um auf unterhaltsame Weise etwas Neues zu lernen und einzigartige Erfahrungen zu machen. Ich möchte gerne dabei helfen, auch bei anderen diese Freude entstehen zu lassen. Daher finde ich es spannend, neue Formen der medialen Wissensvermittlung zu erforschen, die ihren Fokus auf spielerische Aneignung und Nutzer*innenorientierung legen. Fachlich sehr interessant ist dieses Projekt zudem auch, da es mutig viele Facetten der Museumsarbeit in ein neues Zusammenspiel bringt. Interdisziplinär zu forschen hat mich schon im Studium besonders interessiert. Was da jedoch meistens zu kurz kam, war die Praxisanbindung, der Reality Check. Ich finde es toll, dass wir in diesem Projekt anders vorgehen. Die direkte Zusammenarbeit mit den Nutzer*innen macht großen Spaß und zeigt, dass die besten Ideen und Erlebnisse entstehen, wenn wir unsere unterschiedlichen Perspektiven und Fähigkeiten kombinieren.

Rein technisch ist es etwas Besonderes unter musealen VR-Projekten, dass der virtuelle Museumsnachbau als Multi – Benutzer – VR – Plattform einen Schwerpunkt darauf legt, nicht nur Inhalte, sondern auch die sozialen und kommunikativen Interaktionen eines Museums in den digitalen Raum zu bringen. Ebenfalls besonders ist die große Flexibilität und weitreichende Möglichkeiten der Eigenregiedurch das Baukastensystem. Dies denkt direkt mit, wie ein Museum die neue Technik möglichst sinnvoll nachhaltig pflegen und interessant halten kann.
Konzeptuell ist es spannend, wie Virtual Reality dem Museum helfen kann, mehr von seiner Sammlung sichtbar zu machen. Die Kunsthalle Bielefeld begibt sich mit dieser Technik auch für ein Kunstmuseum in neue Bereiche und kann so in neuem Licht wahrgenommen werden. Sie kann neue Bedeutung aufbauen und sich selbst anders reflektieren. Damit ist es ein Projekt, das viel Potenzial birgt, nachhaltig die aktuellen und vielschichtigen Herausforderungen zu bewältigen, die im Rahmen der anstehenden Transformationsprozesse in den Bereichen Digitalisierung und Outreach anstehen (unser Leitbild).

Ich bin in der Nähe von Osnabrück geboren und aufgewachsen und habe dann in Köln Geschichte und Medienkulturwissenschaft studiert. Nach meinem Masterabschluss 2022 war ich auf der Suche nach einem Volontariat im Museum. Diese Idee hatte sich während des Studiums gefestigt: Durch meine Mitwirkung an zwei studentischen Ausstellungen und einer Medienguide-App für das Wallraf-Richartz-Museum in Köln.
Als ich dann in den Ausschreibungen auf das Forschungsvolontariat an der Kunsthalle Bielefeld mit Schwerpunkt auf Bildung und Vermittlung und vor allem die Entwicklung der Virtuellen Kunsthalle stieß, habe ich mich sofort beworben. Denn Bielefeld liegt nicht nur nahe an meiner Heimat, sondern die Virtuelle Kunsthalle als Werkzeug für museale Vermittlung und Outreach zu erforschen und weiterzuentwickeln, knüpft thematisch auch direkt an meine Mastarbeit an. Hier habe ich mich bereits für die Digitalisierung als Herausforderung für Museen interessiert und das mediale Zusammenspiel von analogen und digitalen Ausstellungselementen analysiert. Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat und ich nun seit Januar 2023 Teil der Kunsthalle Bielefeld sein darf.

Outreach mit seinen partizipativen, co-kreativen Ansätzen hat eine eigene Dynamik. Inhalte und Methoden der gewohnten musealen Vermittlungsarbeit lassen sich nicht einfach in sie übertragen. Diese Arbeitsweise braucht Zeit und fordert zumindest temporär eine Loslösung vom eigenen Anspruch der Perfektion. Man kann sie nur bedingt planen und sollte spontan auf externe Impulse reagieren können. In Kombination mit einer eher komplexen Technik wie VR ist es nicht immer einfach, die passende Balance zwischen der Institution Museum, den Spezifika des Mediums und den vielfältigen Bedürfnissen der Nutzer*innen zu finden.

Momente und Gespräche mit unseren Nutzer*innen. Zum Beispiel:

Ein Kind und eine ältere Dame, die sich angeregt über ihre Erfahrungen mit dem Virtuellen Museum austauschen. Das Mädchen neben ihnen hat ganz die Zeit vergessen, während es ein virtuelles Kunstwerk kreiert.

Der kleine Junge steht mit dem VR-Headset mitten im Museum und tanzt voll Freude, während die Dame neben ihm gerade ein Erfolgserlebnis mit dieser ihr fremden Technik hat.

Mit einer kritischen Person entwickelt sich ein intensives Gespräch darüber, in welchem Verhältnis digitale Medien und ein Museum stehen (sollten) und was Museen heute ausmacht, die Person lässt sich auf einen Test ein und beide Seiten haben danach mehr Verständnis füreinander als davor.

Weißer Mann in weißem Hemd. Er lächelt und hat kurze dunkelgraue Haare.
Matthias Albrecht, digitale Museumspraxis, Foto: Veit Mette

Mich begeistern daran drei Dinge: Die VR-Technik allgemein, dann die Möglichkeiten speziell der von uns genutzten Plattform und drittens der co-kreative Entwicklungsprozess.
Interessant an der Technik ist aus meiner Sicht zweierlei: Die besonders gute Immersion und die Möglichkeiten zur Interaktion. Bei VR taucht man wirklich ein. So sehr, wie es mit keinem Computerscreen möglich ist. Das ist einfach sehr beeindruckend.
Die Interaktionsmöglichkeiten sind ebenfalls faszinierend für mich. Einerseits die zum Beispiel „taktilen“ Interaktionsmöglichkeiten im Virtuellen: Ich kann ein Muster von der Wand nehmen und damit eine dreidimensionale Skulptur erschaffen. Andererseits die sozialen Möglichkeiten: Die genannte Skulptur kann ich gemeinsam mit anderen erschaffen.
Speziell unsere Plattform (Mozilla Hubs) bietet für das Soziale mehr als die meisten anderen uns bekannten Plattformen. Mit einer ganzen Schulklasse in einem virtuellen Museum unterwegs zu sein, ist sicher eine Herausforderung. Die Möglichkeit dazu bietet uns die Plattform aber.  Alle können miteinander kommunizieren und gemeinsam etwas schaffen.
Das wahrscheinlich Schönste an diesem Projekt ist für mich allerdings das co-kreative Arbeiten. Ich liebe es, Projekte gemeinsam mit den Menschen zu entwickeln, die die entstehenden Angebote nutzen werden. Dies erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass ein Projekt erfolgreich verläuft, es macht auch wahnsinnig viel Spaß.

In der Kunsthalle Bielefeld arbeite ich seit 2008. Nach meinem Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie und Psychologie in Bielefeld habe ich ein Volontariat im Bereich Bildung und Vermittlung der Kunsthalle machen können. Anschließend wurde ich fest angestellt. Lange Jahre habe ich in der analogen Bildung und Vermittlung Angebote für unsere unterschiedlichen Nutzenden mitkonzipiert: von den Jüngsten bis zu Menschen im hohen Alter.  Dabei ist es mir immer wichtig gewesen, Zugänge zu schaffen. Die Beschäftigung mit Kunst kann für sehr viele Menschen ein Gewinn sein, aber manchmal wirkt die Kunst auch schwer zugänglich. Ich arbeite daran, dass möglichst viele Menschen etwas mit Kunst anfangen können.
Digitale Themen haben mich schon als Kind interessiert. An der Kunsthalle und vielen anderen Museen standen sie früher jedoch nie weit oben auf der To do-Liste. Das hat sich 2020 mit der Pandemie schlagartig geändert. Plötzlich mussten wir digital arbeiten, konnten es aber überhaupt nicht. Aufgrund meines Interesses habe ich mit Kolleg*innen erste Angebote konzipiert. Seit 2021 verantworte ich den Bereich „Digitale Museumspraxis“, in dieser Funktion habe ich das Projekt Virtuelle Kunsthalle initiiert und entwickelt.

Hier erzählen wir die genaue Geschichte, wie es zur Virtuellen Kunsthalle kam.

Wie bei allen Digitalprojekten brauchen wir ein gewisses Budget und Personal, um die Technik nutzen und weiterentwickeln zu können. Und wie bei allen Digitalprojekten kann es vorkommen, dass wir Geld ausgeben für Lösungen oder Features, die dann doch nicht zufriedenstellend in der Nutzung sind oder so schnell weiterentwickelt wurden, dass unsere Version überholt wirkt. Das sind ganz grundsätzliche Herausforderungen, wenn wir im Digitalbereich Projekte durchführen und für uns neue Wege beschreiten.
Außerdem: Das Projekt nutzt mit VR eine Technik, die noch nicht sehr verbreitet ist. Wird sie sich durchsetzen? Wir sind daher froh, dass unser Projekt auch mit vielen anderen Endgeräten nutzbar ist.
Mozilla Hubs bietet zwar einzigartige Möglichkeiten, um VR speziell im Museumsbereich zu nutzen, es gibt aber bis heute eine eher überschaubare Anzahl an Nutzenden. Außerdem braucht es Menschen mit Expertise, die Erweiterungen programmieren oder bei Fehlern helfen können.

Eine weitere Herausforderung ist es, ein Verständnis zu schaffen für partizipatives Arbeiten an der Entwicklung der Virtuellen Kunsthalle in einem bis vor kurzer Zeit traditionell ausgerichteten Umfeld . Früher wurden Nutzende selten miteinbezogen in die Planung jedweder Projekte. Dies ändert sich seit 2020 schrittweise in unserem Haus. Es ist ein sensibler Prozess, der Zeit braucht. Arbeitsweisen haben viel mit Gewohnheiten zu tun. Und letztlich auch mit der zur Verfügung stehenden Zeit. Die angestoßene Transformation können wir nur mit Empathie und Geduld zum Erfolg bringen.

Es war und ist schön zu sehen, dass Menschen aller Altersgruppen und auch mit unterschiedlichen Vorerfahrungen unsere Virtuelle Kunsthalle mit Freude nutzen. Besonders haften geblieben ist mir ein vielleicht 10 Jahre alter Junge, der mit seiner Mutter die Virtuelle Kunsthalle ausprobierte. Immer wieder forderte die Mutter ihn auf, jetzt einmal die Ausstellung im physischen Museum anzuschauen. Als meine Kollegin ihn schließlich fragte, ob er das Kunstwerk, das er sich gerade virtuell anschaute, denn schon in der physischen Kunsthalle entdeckt habe, machte er sich sofort mit Feuereifer auf die Suche. Mir hat das gezeigt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, dass das Digitale irgendwann das Analoge ersetzen wird. Ich persönlich habe mir diese Sorgen auch nie gemacht, aber es ist ja ein gängiges Vorurteil, und gerade im Kunstmuseum wurden das Analoge und das Digitale lange Zeit als einander entgegengesetzte Pole verstanden. Im Gegenteil! Es geht um Ergänzungen, es geht um andere Möglichkeiten, nicht um Ersatz.

Abgesehen von diesem konkreten Erlebnis ist das Projekt an sich für mich ein großer Erfolg. Wir erproben damit für unser Museum neue Arbeitsmethoden, binden unterschiedlichste Menschen in unsere Angebotsentwicklung ein. Dadurch schaffen wir ein Produkt, das Menschen gern nutzen werden. Und wir verändern unsere Institution: Wir werden offener, diverser. Hören Menschen zu und berücksichtigen ihre Wünsche und Bedarfe stärker als früher. Ich bin überzeugt, dass Museen diesen Weg gehen müssen, wenn sie langfristig Erfolg behalten wollen.

Gemeinsam mit euch

Schräge Aufsicht auf einen großen weißen Tisch. Darauf liegen viele Ausgedruckte Bilder von Kunstwerken und Notizzettel. Auf den Bildern kleben beschriftete bunte Post Its.
Ergebnisse aus dem zweiten Treffen, um gemeinsam mit Interessierten die Virtuelle Kunsthalle zu gestalten, 16.4.2024, Foto: Kunsthalle Bielefeld

Ein Ziel der Virtuellen Kunsthalle ist es, unsere Sammlung einfacher und breiter zugänglich zu machen und dabei über die VR-Technik neue Zugänge zur Kunst zu öffnen, die sich an den Bedürfnissen der Nutzer*innen orientieren. Seit März 2024 treffen wir uns deshalb monatlich mit einer Gruppe aus Interessierten, die wir bei unseren ,Let’s get real‘-Veranstaltungen kennengelernt haben. Wir verbessern gemeinsam Bestehendes und entwickeln neue Idee. So werden wir zusammen die nächste virtuelle Ausstellung gestalten und unseren Prototypen auf ein neues Level bringen. Für unsere Treffen sind keine Vorkenntnisse nötig. Wir wollen ein Museum für Viele sein und sind deshalb allgemein daran interessiert, was die Bilder unserer Museumssammlung mit der Lebenswirklichkeit verschiedener Menschen zu tun haben.

Du hast Interesse mitzumachen? Dann melde dich gerne bei uns.