Lars Rosenbohm

Es sind Möglichkeiten so wahr und unwahr

Die Ausstellung im Foyer der Kunsthalle Bielefeld zeigt aktuelle Arbeiten des Bielefelder Künstlers Lars Rosenbohm (*1971 in Lemgo). In seinen Kohlezeichnungen und Malereien eröffnet er einen  Möglichkeitsraum, in dem die Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion verschwimmen.  Ausgehend von einem intuitiven Arbeitsprozess wechselt Rosenbohms Blick zwischen dem Außen,  dem Körper, der Hülle – der Verhüllung und dem Blick ins Innere – dem Organischen – der Tiefe, unter die Oberfläche. In Übermalungen, Fragmentierungen und Ergänzungen verschmelzen seine Motive zu einer komplexen Bildsprache, die Gegensätze miteinander verbindet und das Ungewisse und Ambivalente in den Vordergrund rückt.

Ein etwa 50 Jahre alter schlanker Mann mit Dreitagebart und dunkelblonden, teilweise grauen Haaren in braunem T-Shirt und blauer Jeans an die Zarge einer Zimmertür angelehnt. Er trägt eine Hornbrille mit dünnem braunem Gestell. Im Hintergrund Keilrahmen und in Luftpolsterfolie verpackte Gemälde.
Lars Rosenbohm. Foto: Aimilia Theofilopoulos

Ich kann sagen, dass mich aus dem prozesshaften Tun gewisse Gegensätze interessieren und eine Ambivalenz zum Ausdruck kommt. Ich zeige und gleichzeitig verdecke ich wieder. Ich kombiniere Erfahrenes und Imaginiertes. Erinnerungen, Aktuelles, Inneres, Äußeres. Ich gebe etwas preis, ich verrätsele. Das Ungewisse, nicht Greifbare beschäftigt mich. Auch Unheimliches. Sich Ausbreitendes. Bewegung, Energie, Festigkeit und Kontrolle. Die Maske oder Verhüllung als Motiv taucht in meinen Arbeiten schon seit Jahren auf. Und damit Wesen irgendwo zwischen Mensch, Tier und Phantasiegestalt. Es sind Fragen an mich selbst.
Lars Rosenbohm, 2025

Weitere Antworten des Künstlers finden Sie im KB Journal.

Lars Rosenbohm (*1971 in Lemgo) lebt und arbeitet in Bielefeld. Sein Atelier befindet sich im Künstler*innenhaus Artists Unlimited.

Rosenbohms Arbeiten waren u. a. im Museum Marta Herford, der Kunsthalle Bielefeld, dem Kunsthaus Essen, dem Museum Schloss Moyland, dem Saarland Museum, dem Westfälischen Kunstverein, den Kunstvereinen in Bielefeld, Oerlinghausen, Lippstadt, Ludwigshafen, Gütersloh und Lemgo zu sehen. Außerdem in Galerien und Projekträumen in Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Biel/Bienne, Austin, Barcelona, Gent, Kassel, Wuppertal und Osnabrück.

Lars Rosenbohm ist mit seinen Arbeiten in den Sammlungen der Kunsthalle Bielefeld, des Marta Herford und der Hansestadt Lünen vertreten.

Er hat Stipendien der Kunststiftung NRW, der Aldegrever Gesellschaft Münster, vom Landesverband Westfalen-Lippe, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW und der Stiftung Kulturwerk, Bonn, erhalten.

2023 wurde Rosenbohm als Vertreter der Stadt Bielefeld mit dem CityARTists Kunstpreis NRW ausgezeichnet. Für weitere Kunstpreise, wie zum Beispiel den belgischen IKOB Kunstpreis und den Preis der Gütersloher Woldemar Winkler Kunststiftung, wurde er nominiert.

Medienguide

Herzlich willkommen in der Ausstellung des Bielefelder Künstlers Lars Rosenbohm!
Hier erwartet dich eine Reise in eine Welt zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion – eine Welt, die zum Entdecken einlädt.

Lars Rosenbohm, geboren 1971 in Lemgo, arbeitet mit einer einzigartigen Mischung aus Experiment und Intuition. Seine Werke entstehen spontan: Strich für Strich, Schicht für Schicht. In seinen Zeichnungen beginnt alles mit einfachen Kohlestrichen. Linien verdichten sich zu Formen – Köpfe, Augen oder organische Strukturen tauchen auf. Doch bevor sie wirklich eindeutig erkennbar werden, überarbeitet er sie, verwirft und beginnt neu. Dieses Spiel mit Möglichkeiten zeigt sich besonders in seiner Serie Es sind Möglichkeiten so wahr und unwahr von 2022, die 500 Zeichnungen umfasst. Diese Arbeiten, die täglich entstanden, können Sie im Vortragssaal in einem Videoloop erleben.

Auch seine großformatigen Gemälde tragen diese Dynamik in sich. Rosenbohm arbeitet mit mehreren Farbschichten, kratzt hervor, übermalt und hinterlässt Spuren seines kreativen Prozesses. Immer wieder begegnen uns organische Formen: Adern, Zellen oder Wesen, die an Wasserpflanzen erinnern. Dunkle Flächen rahmen diese Motive ein oder verschmelzen mit ihnen – eine Balance zwischen Kraft und Fragilität.

Ein zentrales Motiv in Rosenbohms Kunst sind Köpfe und Masken. In seinen jüngeren Serien verschwimmen diese zunehmend: Haarartige Strukturen oder Schatten verhüllen die Gesichter. Sind sie geschützt oder verborgen? Kommen sie aus der Dunkelheit oder verschwinden sie darin? Diese Ambivalenz zieht sich durch viele seiner Werke und lädt dich ein, eigene Deutungen zu finden.

Rosenbohms Kunst spiegelt Erfahrungen unserer Zeit wider – Unsicherheiten, Veränderungen, aber auch die Suche nach Identität und Verbindung zur Natur. Seine Bilder wirken manchmal unruhig oder geheimnisvoll und stellen Fragen: Wer sind wir? Was bleibt verborgen? Was zeigt sich erst auf den zweiten Blick?

 

Text: Felicitas von Richthofen
Eingesprochen von: Nadine Kleinken
Aufnahme und Schnitt: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)

Gallerie

Auf schwarzem Hintergrund ein Fantasiegesicht aus wenigen Kreidestrichen in Grün- und Rottönen. Es blickt uns aus roten Augen an. Etwas unheimlich, vielleicht aber auch freundlich.
Fluchttier 2, 2024, Pastellkreide auf Zeichenpapier, 70 x 50 cm, Courtesy Lars Rosenbohm, Foto: Cathleen Falckenhayn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Wie ein abstraktes Gesicht aus Schwarz- und Weißflächen, wobei schwarze Bereiche Auge, Bart und Haare ergeben, die weißen leicht bemalten Flächen die Haut und Nase. Sehr abstrakt, vielleicht ist es kein Gesicht.
So habe ich das nicht gesehen, 2021/23, Zeichentusche, Acrylfarbe auf Baumwollgewebe, 175 x 140 cm, Courtesy Lars Rosenbohm, Foto: Cathleen Falckenhayn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Stark abstrahiertes Porträt: Ein Kopf mit einer Art Leopardenfellhaut. Mittig ein großer schwarzer Fleck mit abgerundeten Ecken. Hintergrundfarbe: taubenblau.
Wir sind alle du - Porträt 2, 2024, Zeichentusche, Acrylfarbe, Pastellkreide auf Baumwollgewebe, 52 x 41 cm, Courtesy Lars Rosenbohm, Foto: Cathleen Falckenhayn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Auf schwarzem Hintergrund mit dunkelgrauen Schlangenformen eine weiß konturierte Form: Erinnert an einen traurigen Menschen mit einem Verkleidungshut oder eine Pflanze, ein bisschen wie ein Baum.
Sie sollen ratlos sein, 2020/22, Zeichentusche und Acrylfarbe auf Baumwollgewebe, 140 x 120 cm, Courtesy Lars Rosenbohm, Foto: Cathleen Falckenhayn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Stark abstrahiert. Erkennbar sind viele Tropfenformen und zwei größere Strukturen, die an zwei Köpfe von oben erinnern. Vielleicht zwei Menschen dicht nebeneinander? Eine dieser Formen grün umrandet, eine violett. Links von beiden eine gelbgrüne Form.
Aus der Vergangenheit, 2024, Zeichentusche und Acrylfarbe auf Baumwollgewebe, 150 x 105 cm, Courtesy Lars Rosenbohm, Foto: Cathleen Falckenhayn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025