Alles Licht
Light and Space gestern und heute

Licht ist mehr als Helligkeit – es schafft Atmosphäre, verändert Räume und prägt, wie wir die Welt sehen. Licht ist Grundlage des Lebens und steht symbolisch für Erkenntnis und Wahrheit, für Spiritualität und Hoffnung. Licht kann aber auch Material der Kunst sein.
„Alles Licht. Light and Space gestern und heute“ rückt das kalifornische Light and Space Movement der 1960er-Jahre in den Fokus. Im Light and Space wird Licht auf völlig neue Weise als künstlerisches Material genutzt. Künstler*innen dieser Bewegung entwickelten eine grundlegend neue Auffassung von Licht, Raum und Wahrnehmung.
Die Ausstellung eröffnet Einblicke in die Entwicklung des künstlerischen Umgangs mit Licht von den visionären Experimenten der 1960er-Jahre bis heute. Es stehen historische Positionen und aktuelle Arbeiten zeitgenössischer Künstler*innen im Dialog.
Die Architektur der Kunsthalle Bielefeld ist Teil dieses Dialogs: Mit ihrer klaren Formensprache, der markanten Lichtführung und dem Wechselspiel von Innen und Außen eröffnet sie einen Raum, in dem Licht keine bloße optische Erscheinung ist. Licht ist Material, Werkzeug der Wahrnehmung und kritisches Medium zugleich.
Künstler*innen: Angela Bulloch, Mary Corse, Olafur Eliasson, Nancy Holt, Robert Irwin, Craig Kauffman, Mischa Kuball, Nicole Miller, Tatsuo Miyajima, Helen Pashgian
Diese Ausstellung wird zusammen mit LichtBlicke in die Sammlung #11 gezeigt.
Die Ausstellung wird gefördert von
Du blickst auf ein großes dunkelblaues Quadrat mit vielen kleinen Lichtpunkten.
Was Du hier siehst, ist eine besondere Darstellung des Sternenhimmels. Jeder LED-Lichtpunkt steht für einen echten Stern. Aber die Anordnung der Sterne ist anders als wir sie mit unserem Blick von der Erde aus kennen. Die Künstlerin versetzt uns ins All. Sie hat dafür echte Daten aus der Weltraumforschung und ein Computer-Programm genutzt. Sie hat die Daten in präzise Raster aus LED-Punkten überführt. In gesteuerten Sequenzen leuchten diese Lichtpunkte auf, flackern, und verschwinden.
Das sanfte Blinken ähnelt der Art und Weise, wie Sternenlicht durch die Atmosphäre zu uns kommt und dabei flackert.
Angela Bulloch hat dieses Werk geschaffen. Sie arbeitet seit den späten 1980er Jahren mit Licht und Technologie. Das Besondere dabei ist: Bei ihr wird Licht nicht mehr nur durch Farbe angedeutet – wie das jahrhundertelang in der Malerei passiert ist. Stattdessen erzeugt sie echtes Licht durch programmierte Signale, durch digitale Codes, die LED-Lichter zum Leuchten bringen.
Mit seiner quadratischen Form erinnert „Monoceros to Bellatrix Blue“ bewusst an ein berühmtes Bild: das „Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch in einer ersten Version aus dem Jahr 1915. Es zeigt ein schwarzes Quadrat auf weißer Fläche. Dieses Werk galt lange Zeit als sogenannter „Nullpunkt der Malerei“. Damit war gemeint, dass hier die gegenständliche Kunst endete und eine völlig neue Richtung begann: die abstrakte Kunst. Heute wissen wir, dass andere Künstler*innen, wie etwa Hilma af Klint, schon früher Wege in die Abstraktion gegangen sind. Trotzdem bleibt Malewitschs „Schwarzes Quadrat“ eine Ikone der Moderne. Es steht sinnbildlich für die Idee, dass Kunst nicht mehr Dinge darstellen muss. Es kann auch nur um Empfindungen, Formen und Farben selbst gehen. Wenn Du vor dem schwarzen Quadrat stehst, sollst Du keine Dinge erkennen, sondern nur noch spüren – Ruhe, Weite oder vielleicht sogar eine Art Ewigkeit.
Angela Bulloch greift diesen Gedanken auf. Aber sie füllt die einfache, geometrische Form mit digitaler Ästhetik, wie wir sie von Bildschirmen kennen. Was löst es bei dir aus, wenn Du das sanfte Blinken betrachtest?
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Matthias Albrecht
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Wenn Du dich in den Skulpturenpark oder vor den Haupteingang der Kunsthalle stellst und nach oben schaust, kannst Du das Werk von Mischa Kuball sehen. Der Schriftzug „my absence is your presence“ leuchtet dort – allerdings kannst Du ihn nur schlecht komplett sehen. Je nachdem, wo Du stehst, siehst Du entweder „my absence is“ zum Skulpturenpark gerichtet oder „your presence“ zur Straßenseite. Das ist kein Zufall.
Mischa Kuball arbeitet seit den 1970er-Jahren mit Licht. Ihn interessiert Licht als kommunikatives und politisches Werkzeug. Seine Installationen machen oft soziale Strukturen sichtbar oder hinterfragen, wer im öffentlichen Raum präsent sein darf – und wer nicht. Mit „my absence is your presence“ öffnet Kuball in der Stadt einen Raum zum Nachdenken. Der Satz bedeutet: „Meine Abwesenheit ist deine Anwesenheit“. Durch die Anordnung über Eck musst Du dich bewegen, um das Werk ganz zu erfassen.
Diese Strategie macht dir deine eigene Position im Raum bewusst. Deine Bewegung wird zum aktiven Bestandteil des Werks. Die Spannung zwischen Anwesenheit und Abwesenheit wird nicht nur über die leuchtenden Worte vermittelt. Sie wird körperlich erlebbar. Gleichzeitig wirft die Installation Fragen auf: Wer ist abwesend? Wer ist präsent? Im öffentlichen Raum sind diese Fragen nie neutral – sie berühren immer auch Themen wie Sichtbarkeit, Teilhabe und gesellschaftliche Macht.
Kuball nutzt Licht als Sprache, die architektonische Strukturen und kulturelle Codes gleichermaßen sichtbar macht. Besonders am Abend oder in der Dämmerung entfaltet das Werk seine volle Wirkung. Dann wird die Kunsthalle selbst zum leuchtenden Zeichen im Stadtraum, das zum Nachdenken einlädt über das, was da ist – und über das, was fehlt.
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Nadine Kleinken
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Du stehst vor einem weißen Gemälde – und je nachdem wie Du dich bewegst, verändert es sich vor deinen Augen. Nicht weil sich das Bild selbst verändert, sondern weil Licht hier zum Material wird. Das Geheimnis sind winzige Glasperlen, die Mary Corse in die weiße Farbe eingearbeitet hat. Sie funktionieren wie Millionen winziger Spiegel und werfen das Licht direkt zu deinen Augen zurück. Du kennst den Effekt zum Beispiel von reflektierenden Streifen auf der Straße.
Je nachdem wo Du stehst, wie hell der Raum ist, aus welchem Winkel Du schaust – das Gemälde antwortet immer anders. Es wirkt mal dunkel, mal hell, mal scheint es sogar Tiefe zu haben. Deutlich wird: Du bist nicht passive Zuschauer*in. Du schaffst das Bild mit! Jede deiner Bewegungen aktiviert neue Wirkungen. Das Kunstwerk existiert buchstäblich in deiner Wahrnehmung.
Seit Ende der 1960er-Jahre experimentiert Corse mit Licht als eigenständigem Medium. Sie gehört zu den wenigen Frauen des Light and Space Movement, einer kalifornischen Kunstbewegung, die Licht nicht nur darstellen, sondern direkt damit arbeiten wollte. Anders als ihre männlichen Kollegen verließ Corse aber dabei nie die Malerei. Stattdessen fand sie neue Möglichkeiten in der Malerei und verwandelte sie. Sie wollte, dass das Gemälde selbst Licht zu erzeugen scheint – dass es Licht direkt zu dir bringt. Damit stellt sie eine klassische Frage: Was ist Malerei eigentlich? Bei Mary Corse wird sie zur Begegnung mit Licht.
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Nadine Kleinken
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Schau dir dieses Bild an – seine gelbe Struktur auf der Oberfläche. Das ist kein gewöhnliches Gemälde. Craig Kauffman hat hier etwas Besonderes getan. Er hat nicht einfach Farbe auf eine Leinwand aufgetragen, sondern mit Kunststoff experimentiert: Das gesamte Werk ist aus Kunststoff gegossen. Das Material wirkt leicht, fast schwebend. Wenn Du hier im Raum herumgehst und dich bewegst, verändert sich das Bild ständig. Das Licht bricht sich auf der gewellten Oberfläche anders, je nachdem, aus welchem Winkel Du schaust.
Das ist Kauffmans Übergang von der flachen Malerei ins Räumliche. In diesem Werk steht er noch mit einem Fuß bei den traditionellen Bildern – es hängt an der Wand wie ein Gemälde. Aber mit dem anderen Fuß tritt er bereits in die Welt der Skulptur hinein. Die Oberfläche hat Volumen, Tiefe, Form. Sie springt aus der Ebene heraus. Das ist genau das Spannende: Dieses Wandrelief ist etwas Neues zwischen Malerei und Skulptur.
Wenn Du dich im Raum umsiehst, wirst Du sofort bemerken, wohin die Reise geht. Die Werke füllen den Raum, sie transformieren ihn, sie umgeben dich. Anders als ein traditionelles Gemälde das könnte. Kauffmans „Untitled“ bleibt näher bei der Wandfläche, aber die organischen Formen, die fließenden Linien, das durchscheinende Kunststoffmaterial – all das bereitet den Weg vor. Es ist wie ein Schritt zwischen zwei Welten. Der Anfang einer Bewegung, die die Kunst des Lichts fundamental verändern sollte.
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Matthias Albrecht
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Schau einmal durch das Metallrohr – merkst Du, wie deine Wahrnehmung sich verändert?
Das ist die Grundidee von Nancy Holts „Locators“, auf Deutsch „Ortungsgeräte“. Mit ihnen schuf die Künstlerin ausgefallene Sehgeräte, die unsere Aufmerksamkeit auf das Sehen selbst lenken. Holt sagte, dass sie die „Konkretisierung der Wahrnehmung“ provozieren möchte, indem sie Menschen dazu einlädt, „wirklich intensiv das Gesehene wahrzunehmen“.
In dieser Installation treffen zwei verschiedene Lichtquellen aufeinander: ein künstliches Scheinwerferlicht und das natürliche Sonnenlicht. Beide werden durch das Metallrohr gelenkt. Wenn Du hindurchschaust, erlebst Du ein faszinierendes Zusammenspiel. Das künstliche Licht bleibt konstant – verlässlich, unveränderlich. Das Sonnenlicht hingegen wird morgens diffus, mittags intensiv, abends golden. Diese beiden Lichter überlagern sich, verschieben sich, lösen sich ab – je nachdem, wie hell es draußen ist und wie die Sonne wandert. Die Spannung zwischen Veränderlichkeit und Konstanz ist das Herzstück des Werkes.
Nancy Holt möchte, dass Du merkst: Selbst bei einer festgelegten Sichtachse ist Sehen kein passiver Vorgang. Mit jedem Moment, den Du durch das Rohr schaust, erlebst Du etwas Neues.
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Nadine Kleinken
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Video-Zusatzmaterial: Die Künstlerin selbst über ihre Arbeit
Transkript des Audios:
Eine leuchtende Glaskugel – warm, gelb-golden, geheimnisvoll. Als würde das Licht von innen nach außen strahlen, als hätte die Künstlerin das Leuchten selbst ins Material gebannt. Sie schafft nicht einfach vergrößerte glitzernde Glasmurmeln, bei denen das Licht durch eingefasste Objekte bricht. Nein – hier entsteht etwas ganz anderes. Das Licht scheint aus dem Material selbst zu leuchten. Die Künstlerin berichtet über ähnliche Seherfahrungen, die sie in ihrer Kindheit gemacht hat, in den Meerwassertümpeln, die bei Ebbe zurückbleiben:
„Ich kann mich erinnern, in die Tümpel geschaut und Dinge gesehen zu haben. Und dann sorgten entweder die Gezeiten oder der Wind oder mein eingetauchter Finger für ein Kräuseln auf der Oberfläche, und dann begann sich das ganze Licht am Grund zu bewegen.“
Helen Pashgian arbeitet mit gegossenem Kunstharz, das sie mit extremer Präzision bearbeitet. Sie gießt das flüssige Material in sorgfältig aufeinander gelegte Schichten, jede einzelne ein riskanter Akt – denn jede Luftblase, jede Unreinheit bedeutet totales Scheitern. So entsteht eine Kunst, die Minimalismus und meditative Tiefe verbindet: reduzierte Form, intensive Lichtwirkung, totale Konzentration auf das Wesentliche. Die Künstlerin entwickelt ihre Techniken über Jahrzehnte, oft in Isolation und ohne institutionelle Unterstützung. Ihre Kugeln, Scheiben und Ovoide, also eiförmige Gebilde, sind stille, leuchtende Objekte, die unser Auge und unseren Geist in einen Zustand des ruhigen Schauens versetzen.
Pashgians Vorgehen ähnelt dabei den Arbeiten anderer Pionier*innen der Light and Space-Bewegung. Auch sie setzen industrielle Materialien ein, um Licht nicht nur zu reflektieren, sondern zu verwandeln und erlebbar zu machen.
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Nadine Kleinken
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Was ist das? Eine schimmernde, durchscheinende Scheibe – oder sind es einfach nur Licht und Schatten? Robert Irwin macht mit seiner Disc genau diese Frage zum Kunstwerk. Die dünne Acryl-Scheibe scheint im Raum zu schweben. Ihre Ränder lösen sich auf, je nachdem, wie das Licht fällt und aus welchem Winkel Du sie betrachtest.
Hier zeigt sich Robert Irwins großes künstlerisches Anliegen: Er macht dein Sehen selbst zum Kunstwerk. Die Disc ist nicht so wichtig – viel wichtiger ist deine Wahrnehmung, deine Bewegung im Raum. Irwin sagt: „Seeing is forgetting the name of the thing one sees“ – wenn Du wirklich schaust, vergisst Du das Objekt, das Du betrachtest, und konzentrierst dich auf die reine Erfahrung des Sehens. Das verändert dein Seherlebnis. Du wirst zur aktiven Teilnehmer*in, statt passive Zuschauer*in zu sein.
Robert Irwin war einer der einflussreichsten Künstler der Light and Space-Bewegung, die in den 1960er-Jahren in Südkalifornien entstand. Künstler*innen begannen dort, Licht nicht nur darzustellen, sondern damit zu arbeiten wie mit Ölfarben oder Marmor. Sie nutzten neue industrielle Materialien, um zu erforschen, wie Wahrnehmung funktioniert.
Irwin begann als Maler, stellte aber schnell fest, dass ihm die flache Leinwand nicht reichte. Mit Werken wie der Disc verließ er die traditionelle Malerei ganz und arbeitete mit Licht, Raum und dem Körper der Betrachtenden. Seine Fragestellungen waren dabei die eines Wissenschaftlers: Wie nimmt das menschliche Auge Licht wahr? Wie beeinflussen Farben und Schatten unsere Orientierung?
Mit seinen Installationen lud Irwin Menschen ein, den Raum bewusst zu erleben. Das war in den 1960er Jahren eine ganz neue Idee.
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Matthias Albrecht
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Vor dir siehst Du eine Installation aus 48 leuchtenden Würfeln – sogenannte Pixel_Boxen. Sie sind als Wand aufgebaut und leuchten in ständig wechselnden Farben. Das Farbspiel ist aber kein Zufall, sondern eine stark verdichtete Filmszene.
Angela Bulloch hat für dieses Werk die letzten acht Minuten und dreizehn Sekunden aus dem Film „Zabriskie Point“ von Michelangelo Antonioni aus dem Jahr 1970 verwendet. In dieser berühmten Szene sehen wir die Hauptfigur in der Wüste vor einem modernistischen Haus stehen, das explodiert . Diese dramatische Explosion hat Bulloch in einzelne digitale Standbilder zerlegt. Jede ihrer Pixel_Boxen zeigt aber nur einen einzigen Bildpunkt – ein Pixel – von jeweils einem dieser Bilder.
Was im Film über acht Minuten dauert, wird hier zu einer abstrakten Choreografie aus Farbe und Licht verdichtet. Die Dramatik der Filmsequenz löst sich auf in ein pulsierendes, fast meditatives Farbspiel. Du kannst die ursprüngliche Geschichte erahnen, aber sie wird in eine Erfahrung von Rhythmus und Intensität verwandelt. Ein entsprechender Soundtrack verstärkt die sinnliche Erfahrung zusätzlich.
Mit „Z Point“ macht Bulloch sichtbar, wie wir heute Bilder sehen und wie digitale Medien funktionieren. Jeder Bildschirm, den Du kennst, besteht aus Millionen solcher Pixel. Mit den Pixel_Boxen werden diese kleinsten Bausteine unserer digitalen Bildwelten zu dreidimensionalen Objekten im Raum. Sie zeigen dir, dass digitale Bilder – ob im Kino oder auf dem Smartphone – letztlich aus Licht und programmierten Signalen bestehen.
Die Künstlerin verbindet in diesem Werk historisches Filmmaterial mit moderner Lichttechnologie und lässt dich erleben, wie sehr sich unsere Wahrnehmung durch digitale Medien verändert hat.
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Matthias Albrecht
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Was ist hier zu sehen? Ein künstlicher Sonnenuntergang?
Beim Betreten des Raumes hattest Du vielleicht genau diesen Eindruck. Aber wenn Du dich genau umschaust, kannst Du herauszufinden, wie dieser Effekt entsteht:
Der leuchtend rote Halbkreis aus Licht wird durch einen Scheinwerfer und einen Farbfilter auf einen Spiegel projiziert. Unterhalb des Spiegels auf der Wand siehst Du einen strahlenden Bogen. Schaust Du in den Spiegel, wird der Halbkreis durch seine Spiegelung an der gegenüberliegenden Wand ergänzt.
Je nach deinem Standpunkt im Raum verändert sich das Bild, der Eindruck von Farbe und Form verschiebt sich. Genau darum geht es Olafur Eliasson: Sei aufmerksam für das, was Licht und Spiegelung mit deiner Wahrnehmung machen. Du bist hier nicht bloß Betrachter*in – Du bist Teil des Kunstwerks.
Eliasson sagt dazu: „Wer verstehen will, was Atmosphäre ist und was diese ausmacht, kann dieses Phänomen nicht von der Frage der Wahrnehmung trennen.“ Seine Installationen lassen dich erleben, wie sehr sich Wirklichkeit ständig verändert, durch deine Sinne und deine Bewegungen im Raum.
Olafur Eliasson steht mit seinen lichtbasierten Arbeiten in der Tradition der Light and Space-Bewegung. Seit den 1960er Jahren nutzen Künstler*innen wie er Licht nicht mehr nur als Mittel zur Beleuchtung, sondern machen es selbst zum aktiven Material und zum Erlebnisraum.
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Nadine Kleinken
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Du siehst Goldpapier mit weißen, eingeprägten Ziffern, die wie Zahlen auf digitalen Uhren aussehen. Ist dir aufgefallen, dass 1 bis 9 vorkommen, aber die Null nicht?
Das Werk heißt Life Face on Gold, und der Titel verweist auf ein buddhistisches Konzept: das „Face of Life“ oder „Life Face“ – also das Antlitz des Lebens selbst. Was Du hier siehst, ist sozusagen ein Bild für das Leben. Was mag damit gemeint sein?
Der Goldgrund ist nicht neu – er stammt aus der mittelalterlichen Kunsttradition. Direkt nebenan kannst Du ein Beispiel aus der Sammlung der Kunsthalle sehen.

In Werken wie „Christus und die 12 Apostel“ aus dem 12. Jahrhundert war Gold aufgrund seines lichtähnlichen Glanzes eine Metapher für das Heilige und die Ewigkeit.
Der Künstler Tatsuo Miyajima verbindet diese klassische westliche Tradition mit buddhistischer Philosophie. Die weißen Zahlen, die sich in das Gold einprägen, repräsentieren das Leben in seiner Veränderung. Sie verkörpern nicht die Ewigkeit, sondern die Vergänglichkeit – das zentrale buddhistische Konzept. Jede Zahl ist ein Moment, sie wird sofort durch die nächste ersetzt. Die Null kommt nie, weil sie im Buddhismus die Leere, die Abwesenheit symbolisiert. Das Leben ist für Miyajima aber ein Zyklus ohne Stillstand oder Ende, ein kontinuierliches Werden.
Miyajima fasst seinen künstlerischen Ansatz in drei Prinzipien zusammen: „Keep Changing, Connect with Everything, Continue Forever.“ – Verändere dich weiter, verbinde dich mit allem, hör nie auf. Der Goldgrund wird so neu gelesen: Nicht als Symbol ewiger Wahrheit, sondern als Träger des Lebens in seiner ständigen Transformation.
Tatsuo Miyajimas künstlerisches Konzept zum Nachlesen
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Matthias Albrecht
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Du schaust hier auf ein Gemälde voller Licht und Farbe – „Jeanne à l’ombreille, Cavalière“, entstanden 1906 an der französischen Mittelmeerküste. Zu sehen ist Henri Manguins Frau Jeanne, die unter knorrigen Bäumen sitzt und die Sonne mit ihrem orangenen Sonnenschirm auffängt. Beachte, wie das warme gelbliche Licht ihr linkes Bein erfasst, während der Rest der Figur in kühlen Violett- und Blautönen gehalten ist. Der Sonnenschirm – in intensivem Orange gemalt – wird selbst zur Lichtquelle, zum Leuchtpunkt des Bildes. Und siehst Du das hellblaue Meer im Hintergrund? Alles zusammen ergibt eine Szene, die von südlicher Wärme und leuchtender Farbkraft durchdrungen ist.
Manguin gehörte zu den Fauves, auf Deutsch: den „Wilden“. Das war eine revolutionäre Künstler*innengruppe zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie wollten mit reinen, leuchtenden Farben Empfindungen ausdrücken und nutzten Licht auf neue Weise. Vor den Fauves hatte der Impressionismus des 19. Jahrhunderts – etwa bei Claude Monet – noch versucht, die Wirkung des natürlichen Lichts so getreu wie möglich abzubilden. Impressionist*innen erforschten, wie sich Farben unter verschiedenen Lichtverhältnissen verändern. Zuvor war das anders: Die Künstler*innen im Barock etwa 200 Jahre vorher nutzten Licht dramatisch, um Tiefenwirkung und Erhabenheit zu schaffen. Beispielbilder zu Monet und zum Barock findest Du hier:


Bei Manguin und den Fauves wird das Licht befreit: Es ist nicht einfach nur ein Mittel, um Gegenstände sichtbar zu machen. Es muss nicht dokumentieren, es muss nicht dominieren. Stattdessen wird Licht zur unmittelbaren Ausdruckskraft – die pure Freude am Leuchten, die emotionale Wahrnehmung des Augenblicks. Wie bei den Künstler*innen der „Alles Licht“-Ausstellung wird Licht nicht nur als Helligkeit, sondern als eigenständiges künstlerisches Medium verstanden. Es schafft Atmosphäre und verändert, wie wir die Welt wahrnehmen. Hier, bei Manguin, spürst Du das bereits: Der Künstler teilt mit dir nicht eine Abbildung, sondern eine Empfindung – die Erfahrung von Licht selbst.
Text: Matthias Albrecht
Eingesprochen von: Matthias Albrecht
Aufnahme, Schnitt und technische Umsetzung: Matthias Albrecht, Nadine Kleinken (Digitale Museumspraxis Kunsthalle Bielefeld)
Zu sechs Beiträgen begleiteten die Besuchenden atmosphärische Sounds statt Sprache. In der Ausstellung wurde das folgendermaßen kommuniziert:
Starte einen Beitrag vor dem zugehörigen Kunstwerk und lass deine Wahrnehmung auf die Reise gehen.
Das Audio wurde erstellt von Nabila Jesch.
Hierbei wurde die Künstliche Intelligenz Udio verwendet. Der endgültige Prompt lautet:
Create a 2-minute immersive, minimalist soundscape for a museum entrance hall with Angela Bulloch’s Night Sky LED artworks. Use subtle space sounds, gentle electronic pulses, and light sci-fi references (like Star Wars or 2001: A Space Odyssey) to evoke the wonder of constellations and the intersection of light, technology, and the cosmos. No vocals. Include soundeffects corresponding to space, chimes, stars and spaceships. Induce a change of perspectice at some point by inducing a shift of tones. The audio should focus on the space ambient, combined with several chimes and stars. Create a cinematic space ambient. Add many chimes according to a sky full of stars. Many chimes throughout the whole track.
Das Audio wurde erstellt von Nabila Jesch.
Hierbei wurde die Künstliche Intelligenz Udio verwendet und das Ergebnis händisch bearbeitet.
Der endgültig genutzte Prompt lautet:
Start with filling, lower tunes and slowly add light, sparkly noises like electronic pulses and high pitched sounds. Contrast low, dense tunes with light, high pitches glitches or short chimes. Fast and powerful.
Immersive, ambient soundscape for a museum exhibition about light, inspired by Mary Corse’s shimmering, reflective black and white paintings. Esspecially Mary Corse´s Black Glitter Painting, charakterized by a seemingly black canvas, but filled with sparkly glass elemens, which reflect light. Use subtle, sparkling textures and deep, resonant tones to evoke the interplay of light, space, and perception. The track should involve high pitched glitches.
Das Audio wurde erstellt von Nadine Kleinken
Hierbei wurde die Künstliche Intelligenz Udio verwendet. Der endgültige Prompt lautet:
Create a instrumental soundscape inspired by Robert Irwin’s South South West. Use soft, warm, and transparent ambient textures with subtle movement and slow evolving layers. Blend diffuse and clear tones like overlapping light. Add gentle echoes, reverbs, and filtered resonance to evoke reflection and space. Include sparse bright accents for red and white light, glass-like and airy sounds. Calm, immersive, atmospheric, non-rhythmic.
Udio Settings
– Instrumental: Yes
– Length: 1:37
– Avoid Genres: pop, rock, hip-hop, EDM, cinematic trailer, Heavy metal, rap,
– Prompt Strength: 65%
– Lyric Strength 0%
– Clarity: 15%
– Seed: -1
Das Audio wurde erstellt von Matthias Albrecht
Hierbei wurde die Künstliche Intelligenz Udio verwendet. Der endgültige Prompt lautet:
Prompt:
Erstelle einen **2-minütigen experimentellen Ambient-Soundscape** basierend auf Nancy Holts Kunstwerk *Dual Locators* (1972): 1. **Beginne mit fokussiertem, reinem Ton** (0:00–0:25) – als würde man durch ein präzises Instrument schauen 2. **Öffne dich zu einem lichthellen Motiv** (0:25–0:50) – ethereal, fast schwebend 3. **Wechsle die Perspektive** (0:50–1:15) – harmonisch völlig verschoben, ein neues Element, kontrastierend 4. **Echo und Reflexion** (1:15–1:45) – beide Perspektiven vermischen sich, Delays, als würde ein Spiegel reflektieren 5. **Synthese und Auflösung** (1:45–2:00) – Konvergenz oder Auflösung in Raum, offen endend **Tonalität:** Minimalistisch, rein, keine Narrativ – nur Wahrnehmung **Instrumente:** Synthetische Pads, Sinustöne, optional Glocken oder gefilterte Feldaufnahmen **Effekte:** Filterung, Reverb, Delays – subtil, nicht überwältigend **Länge:** Genau 2:00 Minuten **Mood:** Kontemplativ, erkundend, leicht, inspirierend – für Teenager bis Erwachsene
Das Audio wurde erstellt von Nabila Jesch.
Hierbei wurde die Künstliche Intelligenz MusicGPT verwendet. Der endgültige Prompt lautet:
Hör dir V1 von Crimson Horizon auf diesem Profil an. Erstelle mir das gleiche Audio, nur in einer längeren Version, etwa 2 Minuten lang. Ohne Lyrics. Behalte dabei den Prompt im Kopf, er lautet: Hör dir die beiden Audios Celestial Ember auf diesem Profil an, die du gerade generiert hast. Mach diese ein bisschen musikalischer, behalte aber den Prompt im Hinterkopf, mittels welchem du die beiden Audios generiert hast. behalte die dystopische Stimmung bei! Hier nochmal der Prompt: Deine Aufgabe ist es, ein Soundscape zu folgendem Scenario zu erstellen:
Du bist ein*e Besucher*in der Kunsthalle Bielefeld und besuchst die aktuelle Ausstellung zum Thema Licht und Lichtinstallationen. Du hast schon eine Stunde in der Ausstellung verbracht und bist nun im zweiten Obergeschoss, der letzten Etage deines Rundgangs angelangt. Als letztes hast du das Kunstwerk Z-Point von Angela Bulloch gesehen, woran dir vor allem die Farbigkeit und das Wechseln der Farben gefallen hat. Du hast ein bisschen Ahnung von Kunst, bist aber eher in die Kunsthalle gegangen, um dir an deinem freien Tag was Schönes anzuschauen. Auf die Ausstellung bist du über Sozial Media aufmerksam geworden, als du dir das neue House-Set deines besten Freundes angehört hast.
Du gelangst nun in einen Raum, welcher nur von einem einzigen, zeitgenössischen Kunstwerk bespielt wird, welches in seiner Wirkung jedoch den gesamten Raum einnimmt. Auf den ersten Blick ist nur zu sehen, wie der Raum von einem orange-rötlichen Licht eingedeckt wird. Zu sehen ist beim Betreten des Raums ein Halbkreis aus Licht an der Wand. Er erinnert an eine untergehende Sonne, allerdings nicht auf eine bedrohliche Art und Weise, sondern in einer Art und Weise, die an einen warmen Tag in der Wüste erinnert. Womöglich denkt man auch an einen Planeten oder beispielsweise das Poster der Dune-Filme von Denis Villeneuve. Du betrittst den Raum und wirst von diesem warmen Licht umgeben. Beim Umschauen fällt ein mit einem roten Farbfilter bestückter Scheinwerfer ins Auge. Betrachtest Du die Technik genauer, siehst du, dass dieser die Wand gegenüber vom großen roten Halbkreis bestrahlt. Auch hier ist ein Halbkreis zu sehen, allerdings anders herum und viel kleiner. Ebenfalls an der Wand hängt ein kleiner Spiegel, mittels dessen die andere Hälfte des Lichts reflektiert und eben an die gegenüberliegende Wand projiziert wird. Es handelt sich um Olafur Eliassons Werk Red Window Semicircle. Ein Motiv von Olafur Eliasson innerhalb seiner Arbeiten ist es, natürliche Phänomene wie Licht, Farbe und Bewegungen nachzuahmen und so Grenzen zwischen natürlicher und künstlicher Umgebung zu hinterfragen und aufzubrechen. Er beschäftigt sich mit der Schnittstelle zwischen Mensch und Technologie und hat dabei immer nachhaltige Ressourcen im Hinterkopf, ebenso wie die Natur eine große Rolle für Eliasson spielt. Mit dem Wissen schaust du dich in Ruhe im Raum um. Dir gefällt was du siehst, du erfährst den Raum als beruhigend, trotz des intensiv roten Lichts. Er gibt dir das Gefühl von Wärme.
Erstelle nun einen Soundscape, angepasst auf jenen Besucher und das Gefühl, was er beim Betrachten des Raumes bekommt. Man soll als Besucher*in der Ausstellung die Möglichkeit haben, beim Anhören jenes Soundscapes beim Betrachten jenes Raumes eine immersive Erfahrung des Kunstwerks vermittelt zu bekommen. Das Soundscape sollte etwa so lang sein, wie man sich den Raum anschaut – ich nehme an, etwa 1,5 bis 2 Minuten lang. Ohne Text.
Um den Gedankengang des Künstlers nicht zu übergehen, hier ein Zitat von Olafur Eliasson: „One of the great challenges today is that we often feel untouched by the problems of others and by global issues like climate change, even when we could easily do something to help. We do not feel strongly enough that we are part of a global community, part of a larger we. Giving people access to data most often leaves them feeling overwhelmed and disconnected, not empowered and poised for action. This is where art can make a difference. Art does not show people what to do, yet engaging with good work of art can connect you to your senses, body, and mind. It can make the world felt. And this feeling may spur thinking, engagement, and even action.”
Das Audio wurde erstellt von Nadine Kleinken
Hierbei wurde die Künstliche Intelligenz Udio verwendet. Der endgültige Prompt lautet:
Erzeuge ein Soundscape, das die Atmosphäre des Kunstwerks „Intense Light Digit“ von Tatsuo Miyajima widerspiegelt. Das Soundscape soll eine klare, einer Uhr ähnelnde, rhythmische Struktur besitzen, die das aufsteigende Zählen von eins bis neun in wiederkehrenden Zyklen nachvollzieht. Circa alle 33 Sekunden folgt ein kurzer Moment mit gedämpften, schwebenden Geräuschen, um darzustellen, wie das grelle Licht kurz vor den Augen nachhallt, wenn für die Null symbolisch das Licht ganz ausgeht. Verwende moderne, elektronisch-digitale Klänge, die zwischen hellen, klaren Sounds und dunklen, minimalistisch-atmosphärischen Texturen wechseln. Die Klänge sollen den Zuhörer konfrontieren, ohne Unbehagen zu verursachen. Die Klangkomposition soll immersiv sein, mit räumlichen Effekten wie Hall und Echo, um den Eindruck eines dunklen Raums mit intensivem, blendendem Licht zu erzeugen. Innerhalb eines Zyklus von 1 bis 9 sollten leichte Veränderungen im Klang stattfinden, um die veränderte Lichtintensität bei jeder Zahl wiederzugeben. Vermeide dabei aber melodischen Aufbau und bewahre eine eher ruhige Gesamtatmosphäre. Das Soundscape soll emotional den Kreislauf von Leben und Tod vermitteln, nachdenklich und spannend sein, dabei aber zugänglich und ansprechend für ein Publikum von Jugendlichen bis zu älteren Erwachsenen. Kein Gesang oder Text.
Einstellungen für Udio:
– Instrumental: Ja
– Länge: 2:10 Legacy
– Zu vermeidende Genres: Hard Rock, Heavy Metal, Country, Classik, pop, rock, hip-hop, EDM, cinematic trailer
– Prompt Strength: 60%
– Lyric Strength: 0%
– Clarity: 70%
– Seed: -1
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