Yael Bartana. Mir Zaynen Do!

Wie entsteht Gemeinschaft? Was verbindet Menschen über Zeit und Orte hinweg? Und wie wird Zugehörigkeit weitergegeben, erinnert und geteilt?
Lieder, Tänze, Rituale und Sprache tragen diese Verbindungen: Sie bewahren Erinnerungen, vermitteln Erfahrungen und schaffen Momente des Zusammenkommens.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Yael Bartanas Video- und Klanginstallation Mir Zaynen Do! (2024). Der jiddische Titel – „Wir sind da!“ – verweist auf ein Lied des jüdischen Widerstands während des Zweiten Weltkriegs. In Bartanas Arbeit treffen in São Paulo zwei Ensembles mit unterschiedlichen Diaspora-Hintergründen aufeinander – Gemeinschaften, die aus Erfahrungen von Entwurzelung hervorgegangen sind und ihre kulturellen Traditionen fern ihres Ursprungs weitertragen: Coral Tradição, ein jüdisch-brasilianischer Chor, und Ilú Obá De Min, ein afro-brasilianisches Straßenmusik-Ensemble. Dessen Mitglieder sind Nachfahren von Maroons – aus der Sklaverei geflohene Menschen. Ihre Stimmen, Rhythmen und Bewegungen verschränken sich zu einer lebendigen Gemeinschaft: leise und meditativ, laut und kraftvoll.
Die Aufführung wird von der 97-jährigen Chorleiterin Hugueta Sendacz dirigiert. In den Ruinen des Teatro de Arte Israelita Brasileiro richtet Bartana den Blick auf das gemeinsame Jetzt: auf Zuhören, Miteinander und geteilte Präsenz. Mir Zaynen Do! zeigt diesen Moment kollektiver Präsenz – Gemeinschaft entsteht im gemeinsamen Tun.
Yael Bartana (geboren 1970 in Kfar Yehezkel, Israel; lebt und arbeitet in Berlin und Amsterdam) arbeitet mit Film, Video, Fotografie, Performance und Installation. Ihre Arbeiten wurden weltweit ausgestellt, unter anderem im MoMA PS1, New York, im Stedelijk Museum, Amsterdam, im Jüdischen Museum Berlin und auf der Biennale von Venedig. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Artes Mundi 4 Preis (2010) und den Rom-Preis der Villa Massimo (2023/24). Ihre Trilogie And Europe Will Be Stunned wurde vom Guardian als eines der wichtigsten Kunstwerke des 21. Jahrhunderts gewürdigt.